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ABCDEF s.VG
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g – gabiʒ?
gāch – gademstat
      gāch Adj.
      gācheit stF.
      gāchen swV.
      gāchheil stN.
      gāchlīchen Adv.
      gāchmuot stM.
      gāchmuotic Adj.
      gāchmuoticheit stF.
      gāchschric stM.
      gāchspīse stF.
      gāchtouf stM.
      gāchtoufen swV.
      gāchzornic Adj.
      gack Subst.
      gadem stN.
      gademęre stM.
      gädemler stM.
      gademliute st. Pl.
      gademman stM.
      gademstat stF.
gademvrouwe – gāhe
gęhe – galazīā
galban – 1galle
2galle – galsterīe
galsterlich – gamanje
gamānje – gampelher
gampelsite – ganeist(e)
ganeistelīn – ganteren
ganz – gęre
gargarismus – gart
gart – gartgabele
garthagen – gasse
gast – gastmeisterin
gastnusse – gęʒe
gaʒʒe – gebant
gebār – gebeinet
gebeitic – gebėręrin
gebėrc – gebietęre
gebietęrin – gebiuge
gebiunde, gebünde, gebunt – gebogen
geborc – gebraste
gebręte – gebrėsthaftic
gebrėstic – gebrūchic
gebrūchlich – gebünde
gebünde – geburgeze
gebūric – gebūschirre
gebütel – gedęhtnisse
gedalsch – gedense
gederbe – gedinchof
gedinclich – gedon
gedon – gedröulich
gedröuwe – gedwāse
ge|ehte – gegate
gegatrom – gegen hėllen
gegenherte – gegenrede
gegenreise – gegentraht
gegen trėten – gegenwertige
gegenwort – gegihte
gegiric – geharnascht
geharre – geheiligunge
geheim – gehende
gehenge – gehimelze
gehirne – gehœric
gehœrlich – gehüge
gehügede – gehuobet
gehuof – geilic|heit
geillīche – geiselstreich
geiselunge – geisticlich
geistīn – geiʒeweide
geiʒgalle – geiʒwolle
gejac – gekleide
geklūder – gelęge
gelaister – gelegede
gelegelich – geleitesman
geleitgėlt – gėlfe
gėlfen – gelīcherin
gelīcherte – gelīchsame
gelīchsamen – gelide
gelidemāʒe – gelinc
gelinc – gelle
gelle – gelœte
geloub- – geloupheit
gelouplich – gėlte
gėltel – gelübe
gelübede – gelüppic
gelüpschafte – gėlwelot
gėlwen – gemahellich
gemahelschaft – gemęʒicheit
gemęʒiclich – gemeinder
gemeine – gemeinmüeticlich
gemeinsagunge – gemelīche
gemelīcheit – gemietede
gemietunge – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemuotheit
gźmuoticheit – genāden
genādenarm – genādezīt
genędic – genant
1genantlich – genemede
genende – genės
genesche – genibelet
genīc (genīge ?) – genistbęrlich
geniste – genōʒsam
genōʒsame – gensīn
gensischen – genuht
genuhten – genuocsamede (?)
genuocsamen – Geon
georset – gequėl
gequide – 1gerat
2gerat – gerede
gerede – gerėhtmachen
gerėhtmachunge – gereiʒe
gereiʒede – gerigel
gerigelingen – gerihticlīche
gerihtinsigel – geristic
geristlich – gėrne
gerner – gėrste
gėrstegrūʒ – 2gertelīn
gerten – gerūmiclich
gerummel, gerumpel – geruowic
geruowicheit – gesagede, gesegede
gesalzene – geschaffenheit
geschaffenwėsen – gescheftnisse
gescheftvrouwe – geschepfnisse
geschepfunge – geschihtic
geschihticlich – geschręje (?)
geschrāt – geschulteret
geschuoch – geselbede
gesźlen – geselliclīcheit
geselligen – gesigel
gesigen – gesinne
gesinnen – gesiuniclich
gesiuse – gesloufe
gesloufic – gesnęren
gesnarren – 1gespenge
2gespenge – gespīwe
gespiz – gespreide
1gesprenge – gestalt
gestalt – gestelle
gestellet – gesticke
gestickelet – gestopfel
gestœʒe – gestriuʒe
gestriuʒunge – gestüplach
gestüpnisse – gesuoch
gesuochęre – geswenke
geswenze – geswindicheit
geswindiclīche – getęnede
getęper – getelse
getemere – getougen
getougen – getregede|gülte
1getrehte – getriuwenisse
getriuwewirdic – getult
getumele – getwancnisse
getwancsal – gėtzen
getzsal – gevęhic
geval – gevęrlich

   gāch - gademstat    


gāch Adj. auch (z.B. Herb 2401 u.ö.; Roth 4106; Eracl 3464 ). – Adv. gāche (nur WernhMl 7760 ), gāch (adv. Akk., nur Iw 4873; Frl 7:19,13. 8:3,11; Ottok 5883; WernhMl 4676. 9896 ). – Rückbildung vom Adv. gāhe (vgl. auch die Kompos. mit gāch-) zum Adj. → gęhe, mit dem es in der Überl. wechselt, wobei aber gęhe meist attr., gāch meist präd. gebraucht ist (vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 26 Anm. 1).    1 ‘schnell, rasch’    1.1 unpers. mit sīn/werden und Dat. d. P. ‘es eilig haben’ (ohne Dat. nur sprichwörtlich [TPMA 2,410 ] so ie gaher, / so ie gar unnaͤher! RvEWh 9131 )    1.1.1 ohne weitere Bestimmung: der brvder was niht laz, / in die tzelle lief er geringe, / gach wart dem bertinge ReinFu K,970; den sīnen wart vil gāch / unde ranten ime alliz nāh SAlex 2640; er ilte, im was gach Herb 2050; er gźt vil sanfte, im ist niht gāch Wig 4986; dō was in ernst und gāch UvZLanz(K) 6699. 2991    1.1.2 mit näherer Bestimmung; die Bed. geht häufig in ‘begierig sein, verlangen’ über, vgl. bes. die Beispiele für gāch nāch/ze etw. – mit Gen. d. S.: ist iu nu zornes gāch Parz 515,17; wie ist iuch tretens mich sō gāch? ebd. 522,21; im was niht wan gebetes gāch RvEBarl 14441. – mit Präp.-Gruppe: sus was im an den risen gāch Iw 4989; dō was im gāch an die vart. / mit urloub er enwec reit UvZLanz 668. im was gein Artūse gāch Parz 128,15; der sunnen was gein hœhe gāch ebd. 196,10; dem muoz gein sorgen wesen gāch ebd. 731,29; im was mit zorne gein in gāch Wh 324,9. nach Reinhartes kel im [Bauer] gach was ReinFu K,466; lā dir nāch mir wesen gāch, / heb ūf dīn kriuze, gā mir nāch! RvEBarl 5345. 6543; swenne got sihet, daz wir sīn der eingeborne sun, sō ist gote sō gāch nāch uns und īlet sō sźre Eckh 1:194,3. iu ist mit der rede ze gāch: / slāfet ein lützel darnāch Iw 827. 996. 3163. im [Hochmeister] was uf dy Littown gach Hiob 15545. dō was im von dem künege gāch Parz 150,29; dā [Gesang der Nachtigall] warne ich [Wächter] friunde bī, / dur daz in gāch von minnen sī KvWLd 15,12. die da fluhen, den was gach / vber daz geuelde / hin zv dem gezelde Herb 11784; ienen was zv der flucht gach ebd. 14004; zv Reinhartes schaden wart in gach ReinFu K,1436; dō fuor in balde ein knappe nāch: / dem was zer botschefte gāch, / die er werben solte Parz 517,12; Rennewarte was zer spīse gāch Wh 276,3; im wart zer āventiure gāch UvZLanz(K) 7874; mir was ze sīnen hulden / alze liep und alze gāch Iw 4187; dem rīter was zer vreise gāch Wig 1845; zer toufe wart dem grāven gāch ebd. 8207; zu suͤnden ist dir gewesen gach HvNstVis 241. – mit ze und Inf.: dem was ze knien für si gāch Parz 237,12 u.ö.; des wart im zervarne gāch RvEBarl 553. – mit Inf. (vgl. → gāhen 3.3): sō sol uns wesen gāch / verloufen in [in kleinen Weihern gefangenen Fischen] die rinnen, / sō mugen si uns niht entrinnen KvFuss 2711(La. A). – mit Adv.: Reinharten wart dannen gach ReinFu K,172; war ist dir nu so gach, / du ubermuͦter kaiser? Rol 7626; sō gāch was im wider dan Wh 317,16; swā sō si [Liebe] den zwīvel siht, / dā von enscheidet si sich niht, / dar ist ir nōt unde gāch Tr 13837    1.2 andere unpers. Konstr.: jmdm. gāch tuon ‘machen, dass ihm gāch ist’ gant diube dar und stelent eim biderben man sin guͦt, tuͦt er den [...] gach [scheucht sie auf] mit iagenne oder mit ruͤfenne StRAugsb 100,27. – jmdn. hāt gāch ‘ihm ist gāch (Grimm, Dt. Gr. 4, 287): iedoch hźt in ein teil zuͦ gāch / uffe den helit reinin Athis E 126    1.3 pers., attr. (sonst gęhe): ern kźrt sich niht an gāhez schehen: / müezeclīche er wolde ersehen / wiez ze bźder sīt dā węr getān Parz 69,7. 121,6; dem gāhiu hźrschaft wirt erkorn [dem rasch eine Machtstellung zufällt] RvEAlex 1487    2 ‘heftig, ungestüm’ (fast nur attr., dafür sonst meist → gęhe ; präd. nur lāt iuwern zorn niht wesen gāch Wig 11551 ): etwenne wirt des hercen vmmacht [Herzversagen] von gaher vorchte oder von gaher vroude SalArz 46,40; der tot mit snellem vlucke ein werk het do bestanden / mit lebens gahem zucke JTit 2638,2; si lāgen gāhes endes tōt KvHeimHinv 823; Serv 3404. gāher tōt ‘plötzlicher Tod’ si wānden alle ze Rōme, / ez [das Sterben] chōme von dem gāhen tōde Kchr 7559; da wirt er [der Antichrist] oͮch mit dem gahen tode erslagin mit dem gotis worte Lucid 135,9; nieman mohte danne / dem gāhen tōde enbresten Wig 3724; Frl 5:20,6. – ‘gewaltig’ in gahes wunder er des quam [ ut miraretur praeses vehementer Mt 27,14 ] EvStPaul 1972

gācheit stF. ‘Hast, Übereilung’ das man es [Gebet] dvrnehtecliche spreche, niht mit bestumpfeten worten von gacheit, niht slaflichen von tracheit, niht verlazenlichen von italkeit DvAStaff 95; da von [Unkeuschheit] kumet och gacheit unt ungestuͦmikeit an allen dingen SiebenTodsündenIII 333

gāchen swV. gāhen swV.

gāchheil stN. auch gocheyl ( Albrant 3,41. 3,50 ). ‘schnell wirkendes Heilkraut; Schafgarbe’ (vgl. Marzell 1,87f. 253; Etymol.Wb.d.Ahd. 4,13f.): du salt snydin gachheyl cleyne und suyt das mit wine unde floze daz dem rosse in den hals: zo sterbyn dy worme Albrant 3,5. 1,3; Glossenbelege des 11.-14. Jh.s s. AWB 4,21

gāchlīchen Adv. vgl. auch gęhelich, gāhenlīche. ‘eilig, rasch’ der bote gāhen began / und sagte ez gāhlīchen / dem fürsten Dietrīchen Bit 9091; Dietr 6820 (s. gęhelich )

gāchmuot stM. ‘Ungestüm, Jähzorn’ (vgl. gęher muot unter gęhe 1): gachmut ist in [ colerici ] ein teil zu groz Physiogn 65; der [ colericus ] muoz durch nōt gāhmuotes sīn, wan im diu galle schiere enbrinnet Barth 128,10

gāchmuotic Adj. ‘jähzornig’ suelre ist heizer vnde trukener nature, der ist gachmuͦtich vnde kuͤne vnde het gerne uil wibe vnde ist an der minnen vnstete Lucid 50,14

gāchmuoticheit stF. ‘Eile, Hast’ mit grozer gamutikeit / ilter hin zu dem grabe PassIII 160,42; gemuticheit PassI/II 361,74 (Umlaut wohl analogisch nach gęher muot)

gāchschric stM. ‘rascher Sprung’, hier: ‘Versündigung’ woldist du [der hl. Johannes] mich engalten / maniger gachscriche [La. ascrickeāschric ] , / da mit mich dicher denne diche / der tievel hat verleitet, / so węre mir manigen tach gireitet / diu ewige verdammunge Litan(M) 447

gāchspīse stF. ‘schnelle Speise, Imbiss’ sī gienc und was in kurzer zīt / her wider komen unde truoc / guoter gāchspīse gnuoc Iw 1222; nu truoc diu hūsfrouwe dar, / [...] swaz si guotes mohte, / daz ze gāchspīse [Hs. gaher speise ] tohte KvFuss 1894

gāchtouf stM. , gāchtoufe stF. ‘Nottaufe’ wer dich getoufft hab, es sī pfaff oder ley, als etwan ze gāchtouff geschicht: der ist dīn geistlich vatter SchwSp(W) 345,90; swer einem kinde der gāchtoufe helfen wil, der sol diu wort sprechen, daz dā iht verwandelt werde [ohne dass etwas verändert werde] PrBerth 2:228,24

gāchtoufen swV. ‘nottaufen’ das chint gęchtauffent di frawen und stirbet dar nāch gęchling RbRupr 202

gāchzornic Adj. ‘jähzornig’ iedoch vint man etleich frawen, die part habent oben an dem mund, und daz ist ain zaichen, daz si gar haizer nātūr sint und gęchzornig BdN 12,21

gack Subst. lautmalend für das Gackern des Huhnes; in Anspielung auf das bekannte Sprichw. ‘wenn ein Huhn ein Ei gelegt hat, gackert es laut’ (vgl. TPMA 6,209): als das hun das da hat gelacht [gelegt] , / yederman han ichs balde gesagt: / »gack gack gack gack gack!« han ich gejehen Pilgerf 7814

gadem , gaden stN. auch swN. ( WüP 104,2; Urk.-Belege s. Gürtler, er-Plurale 123), stM. ( BrEb 66; Frl 7:1,10 ). – Dat. Pl. auch gadym Cranc Jes 35,7; gadden UrkFrankf 2,319 (a. 1332); Nom. Akk. Pl. auch gedime UrkCorp(WMU) 436,11 und gedemer ( BrEng 4; Urk.-Belege s. Gürtler, er-Plurale 122f., s.a. WMU 1,546).    1 ‘Gebäude, Haus’ obe sie [Postulantin] dan uollesteit, so leide sie man sie wyder in daz gadem der nuwen sustere BrEb 58; elleu gadem und heuser [...] suln auch nimmer hoher gepauwet werden, denne als dez kirchofes maure hoh ist NüP 167; si [Elefanten] trugen castell und gaden HvNstAp 3869. – Anbau eines Hauses: daz hinnan hin nieman [...] dekainen fv́rschvtz [vorspringenden Anbau] mache [...] vf die straze mit stvban, mit loͮben, mit gaͤdemern, mit vmbeloͮfen oder mit aͤrgern UrkCorp(WMU) 2354,5. – Aufbau über einem Tor: eyn gadin was uf der phortin der uzsirn muyrn Cranc Uzl 254,32 (vgl. PL 196,540ff. mit Abb.) – für die Hölle: wie gern ich woͤlt / das ich zuͦ minem kinde soͤlt / ab gaͮn hin inder helle gaden! KvHelmsd 2223    2 ‘Stockwerk, Geschoss’ in deme nideristen gademe [der Arche] was aller vogele gechrademe Gen 699; ez sol auch niemant cheinen laden noch chein tuͤr anhahen [...] an dem undern gadem gen der straz herauz NüP 138; daz ich zway gadem eins turͦns vber ein ander gemovrre UrkCorp(WMU) 1595,8; Kreuzf 2967; SSp(W) 3:66,3; StRMünch 417,22. 417,25. – als Maßangabe: er mag [...] pauen was er wil, das zwair gaden hoch ist UrkÖsterrErbl 69,3 (a. 1237); swa ein mawer sie zwischen zweier haͤuser, deu bi drein gadem hohe sie oder hin uͤber UrkRegensb 726 (um 1320); wan si in [Virgilius] ūf mit sinne gar / an den turn zōch zwār / wol drīer gadem hōch EnikWchr 23909; sīn rīch gezelt [...] gieng übr alliu diu gezelt / diu geslagen wāren ūf daz velt, / volleclīche wol ein gadem Georg 1555    3 ein (Wohn-)  Raum verschiedener Größe und Verwendungen    3.1 ‘Saal’ ain unmāzen michel gadem Kchr 5717; dō nam der degen [Volker] widere den schilt an die hant, / und gie ūz dem gademe für den türn stān NibB 1836,3; doch uber sin [Damokles] houbt in arcium gadem [Saal der artes (= Kunstwerke), Thronsaal, aula regia (Anm. z.St.)] / [...] / hiz er hengen eyn scharfez swert Hiob 6159; so sun [sollen] si alle in eim gadme slāfin BrEng 22    3.2 ‘Zimmer, Kammer, Gemach’ (zum Wechsel mit kemenāte s.a. Heyne, Hausaltertümer 1,360): do wart der engel gesant [...] ze der magde reine, do si in dem gademe saz eine AvaLJ 4,3; WernhMl 2188; ez līt vor disem gademe ein ritter tōt erslagen NibB 1007,3 (vgl. zer kemenāten ebd. 1006,3 ); do was bi Priamis trone / ein kamere vil schone [...]. / Priamvs hiez in daz gaden / sine ratgeben laden Herb 7227. 9249; Wernh 5657; PrOberalt 91,25. dō allez daz entslāfen was / in gademe und in palas, / daz dā lac in dem hūs HvFreibTr 5920; iz enwas dar uffe [im palas ] niender gaden, / ez enwęr von golde gemal Rennew 7876; GTroj 4894. si gurten sich mit sverten / si gingen dare warten / uon gademe ze gademe / si sluͦgen si alle zesamene VMos 30,23; sy yltte getrautte / von gadem ze kemonatte GTroj 21090; mangez er der gadem erlief Parz 247,3. – als Schlaf-, Ruhegemach: daz gadem, dā sie lac / die künegīn und slāfes pflac HvFreibTr 2709; Wernh A 4048; Herb 13390; KvWTroj 8497; Rennew 11379. – als Klosterzelle: nū gienc er an eime tage / [...] / vür sant Francisken gaden, / iemitten dō er bette drinne LvRegFr 2087; ez waz ein geistlich wip in eime clostere [...]. einez dagez stunt si in irme gademe und shach hin uͦz durch ein venster HlReg 12,3. – als Gefängnis (oder zu 1 ?): daz im die burger ein gaden gemachet hant, daz er ouch dar inne sol beliben untz an sinen tot StBZürich 19 (a. 1319) (s.a. Anm. z.St.); der [Vogt] hiess in besliessen in ein gaden Seuse 76,16; KvWTroj 23380. – Raum, in dem etwas aufbewahrt wird, ‘Vorratskammer, Lager’ beide gadem unde schrīn / sol dir allez offen sīn Helmbr 837. 853; sus vuort er in in sīn gaden. / dā sach er kisten wol geladen / bī grōzen schrīnen ligen vol [mit Schätzen] RvEBarl 6035; nu giengen si aber in daz gaden / dā die phelle lāgen StrAmis 1716; HlReg 34,7; mitt der frowen er do gie / in ain gaden hie / da er wol vier und zwainzig bogen vand GTroj 1694    3.3 ‘hoch gelegener Verschlag’ stīget dort hin uf daz gaden! StrKD 159,19    4 ‘Verkaufsraum, Verkaufsstätte, Bude’ swer [am Sonntag] sin gaden vf tvͦt oder sine creme oder sinen kelre, daz er iht drvs verkouffen wil, der ist dem priester fivnf schillinge schuldig SchwSp 154a; swaz fuoter ouch die gädemler koufen, daz sullent sie offenlich veile haben in potigen in den vordern gädemern und niht hin hinder bergen und ūf tiurunge behalten StRMeran 423; alle mezzerer unde alle kramer di ze gadem stant die mugent ir mezzer wol verkaufen einzen unde sament StRAugsb 42,28. 40,24 u.ö.; und sol auch ir dheiner dhein kammer, gewelb noch gaden niht besteen [mieten] hie in der stat NüP 272 u.ö.; WüP 29,4; UrkKlostern 1,274 (a. 1339); StrAmis 1716. under den gademen bezogen auf eine Reihe von Läden oder Werkstätten: nieman sal gewant sniden zv Erforte dan uffe deme vrige [Freigut] vnsis herrin des bisschoffis vndir den gadimen UrkCorp(WMU) 1161A,14; wir Bertolf van Gluele, Johan Hircelin, die meistere sijn der bruͦderscheffe vnder den geddemen [Gilde der Gewandschneider in Köln] ebd. 53,3; WüP 65,4    5 ‘Kasten, Schrein’ vil schœner vrouwen umbe in [Dietrich] saz, / die kurzten ime die stunde. / sī zugen vür in werkes gaden ["bewegliche arbeitspulte oder kasten" DWB 4,1,1,1134] , / sī truogen dar krām unde laden Virg 207,4; sliuz ūf balde mir daz gadem Neidh SL 21:5,5 (vgl. schrīn, kisten ebd. SL 21:6,1-4, s.a. NeidhWB 81 )    6 bildl. (zu 1 oder 3 ): swer den [Christus] ze hūse haben sol, / der bedarf der tugende wol, / die in des herzen gaden / ūz dem himelrīche in laden LvRegSyon 424; der goͤtlich geist gesicht alle die gaden vnd wonungen der sel [ omnes officinas mentis ] RvBib 99,20; NvJer 55; durchtrechtic wart der gotlich gadem [Maria] / driglestic vunkenricher kunft Frl 7:1,10. – rein umschreibend?: nu hilffet niht, wie vil min kradem / geschryet an ir helffe gaden Minneb 3518    7 Einzelnes    7.1 ‘hohes Gerüst, Gestell’ man lūt ūf des karrutschen gadem / die glocken Loheng 5041 (vgl. ein grōze glocke ein karrutsche zōch, / diu dar ūf gemachet was mit būwe hōch ebd. 5001f. )    7.2 ‘Stall, Stallung’ ūzer deme gademe erz [Alexander das Pferd Buzival ] reit VAlex 321 (vgl. marstal ebd. 261 )    7.3 ‘Lagerstatt’ eines Tieres: in den gadym [ in cubilibus ] , in den do woneten vor trachen, wirt ufgen roris und semden gruende Cranc Jes 35,7    7.4 ein Maß: oder alle ander mesur, wag oder gebicht [...], oder alle andre gebicht vnd gadem StatTrient 143

gademęre stM. ‘Zimmermann’ quosdam concives nostros ex opere manuum suarum dictos chudruwanęr et quosdam dictos gademęr et quosdam cognomento schriͤnęr UrkRegensb 32 (a. 1244); suͤmlich unser purigaͤr von ir hantwerche genant chuderwaner [= kurdewęner ] , suͤmlich gademer und ettliche schreinaͤr ebd. 162 (a. 1315)

gädemler stM. ‘Inhaber einer Verkaufsbude oder eines Verkaufsraumes’ (s. gadem stN. 4 ): daz ist daz gesetzede über die gädemler die in die stat ziehent und veile wellent haben StRMeran 425; ouch sol kein burger noch gädemler niht mźr kornes koufen dan er in sīnem hūse bedarf ebd. 415. ez sol ouch menniclich, ez sī gastgeber oder gädemler, daz fuoter verkoufen und geben bī einem rehten vierteil ebd. 423. 413. 414. 422. 423. 425. – als Beiname: Cvnrad dem Gedemler UrkCorp 2432,5

gademliute st. Pl. gademman stM.

gademman stM. Pl. -liute. ‘Kleinhändler, Inhaber einer Verkaufsbude oder eines Verkaufsraumes’ (s. gadem 4 ): kain burger sol mit kaime gaste kain geselleschaft haben an dem salce [...], kain gadenman [...] sol keinem gaste sin saltz verkaufen StRAugsb 46,11; fur die gadenlude BerufeFrankf 48b (a. 1346). – als Zusatz zu Pers.-Namen: Wolframus Gademannus UrkFrankf 2,82 (vor 1317); Mathias gatdeman BerufeFrankf 48b (a. 1320) u.ö.

gademstat stF. ‘Stelle, Anwesen, worauf ein Stall steht’ (vgl. SchweizId 11,1725f. mit weiteren Belegen): daz herre Ingolt von Spiringen disem kloster hat gegeben ein gaden stat an Ranft, ein gaden stat zir Bvzzen, ein gaden stat ze Leime; dise drie gaden stete hat er dar vmbe gegeben, daz er wil, daz man sin iargzit iźrgelich bigange an dem zehinden tage nah sant Martis tage mit dem zinse so abe disen gvͦtern kvnt UrkCorp 1228,18; uf dem berge sind 5 gadenstette; da hat diu heirschaft das recht, das si umbe mitten oͧgsten nemen sol als das mulchen [Milchproduktion eines Tages] , das in funfthalben tagen in den selben gadenstetten wirt UrbHabsb 1:478,14; UrkEngelb 52,227 (a. 1322). 51,142 (a. 1301)